Der Zuvieldienst geht zu Ende: Ein Grund zum Feiern!

Mit dem Ende des Wehrdienstes in Deutschland, geht auch der Zivildienst zu Ende. Und mit dem Ende kommen die sentimentalen Rückschauen. So hört man landauf, landab, wie wichtig und gut es für einen jungen Menschen sei, nach der Schule in einer Orientierungsphase Dienst an der Gesellschaft zu leisten und Kompetenzen etwa im sozialen Bereich zu entwickeln.

Vielleicht mag das ja für den ein oder anderen auch stimmen. Für mich nicht. Für mich war der Zivildienst, den ich anstelle des Wehrdienstes habe ableisten müssen, im Gegenteil das Grauen auf Erden. Nach der Schule wollte ich nur eines: Meinen unbändigen Lebenshunger nach Reisen, Lesen und Studieren stillen. Aber der Staat zwang mich mit seinem Zivildienst einen Lebensabschnitt zu leben, der ganz und gar gegen meine Lebensvorstellungen verstieß. Damit ich hier nicht falsch verstanden werde: Ich arbeite gerne, hart und viel. Aber der Zwang, der damals auf mich ausgeübt worden ist, war für mich eine emotionale Katastrophe, die mich an den Rand einer ernsthaften Depression geführt hat. Woher unsere Bundesfamilienministerin Frau Schröder weiß, dass im Zivildienst junge Menschen “viele positive Erfahrungen” sammeln würden, ist mir ein Rätsel. Sie selbst hat schließlich nie einen solchen Dienst ableisten müssen.

Und die nun einsetzenden sentimentalen Rückschauen mögen doch auch bitte folgende Fakten nicht unberücksichtigt lassen:

1. Im Grundgesetz steht eindeutig geschrieben, dass die Zeiten des Zivildienstes nicht länger sein dürfen als die des Wehrdienstes. Aber der Zivildienst war stets länger als der Wehrdienst. Die verlogene Argumentation dabei lautete: Wehrdienstleistende müsten ja auch über die eigentliche Zeit hinaus zu Wehrübungen. Zu Wehrübungen mussten aber nur ein Bruchteil der Wehrdienstleistenden und konnten sich darüber hinaus durch den Arbeitgeber freistellen lassen.

2. Die Zivildienstleistenden wurden in sehr vielen sozialen Einrichtungen als billigste Arbeitskräfte benutzt, die genauso viel und hart arbeiten mussten wie hauptamtliche Mitarbeiter. Das Argument, dass man von der Gesellschaft viel bekommen habe und dieser nun auch etwas zurückgeben müsse, kann ich so nicht akzeptieren. Denn das, was ich ohne Zweifel von der Gesellschaft als junger Mensch bekommen habe, gebe ich derzeit genauso an die junge Generation zurück wie ich es selbst bekommen habe. Dazu braucht es keinen Zwang in dieser grundlegenden Art und Weise.

3. Viele Zivildienstleistende haben ganz ähnlich wie ihre Kollegen in den Kasernen vor allem eins gelernt: Wie man Zeit totschlägt, vornehmlich mit viel Alkohol und/ oder Drogen. Das ist ein Faktum, der in den Rückschauen auch praktisch keinen Eingang findet.

Ich jedenfalls weine dem Zuvieldienst keine müde Träne nach und freue mich für alle nachkommenden Generationen, dass sie nach dem Abschluss ihrer ersten Schulphase tun und lassen können, was sie möchten. Einen Zivildienst braucht kein Mensch und keine Gesellschaft, auch unsere Sozialkassen nicht. Über die Verankerung der Bundeswehr in der Gesellschaft mache ich mir allerdings mit dem Ende des Wehrdienstes ernsthafte Sorgen. Eine Armee, die sich von der Gesellschaft, für die sie existiert, entfernt, ist ein sehr großes Problem, die Geschichte ist voll von Beispielen. Und darauf habe ich bisher noch keine Antwort bekommen. Sie wissen nicht, was sie tun.

Dass auch der Wehrdienst kein Spaß war, hat Sven Regener in einem sehr schönen Interview mit Welt online deutlich gemacht.

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