4in1: Ein neuer Rekord der Bahn im Winter

Normalerweise gehöre ich zu denjenigen Menschen, die die Bahn gerne gegen ihre Kritiker verteidigt, da diese doch zu gerne vergessen, dass 20 Minuten Verspätung kein Weltuntergang sind und zur gleichen Zeit viele tausend Autofahrer auf den Autobahnen stundenlang im Stau stehen. Normalerweise. Denn bei meinem Weihnachtstrip dieses Jahr hat die Bahn wirklich alle Rekorde übertroffen.

Zunächst begann alles vorbildlich. Die Bahn hatte aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens angekündigt vom 22.12.2010 an, Zusätzzüge auf viel nachgefragten Strecken anzubieten. In meinem Fall war das die Strecke Berlin – Köln und ich war wirklich sehr überrascht, dass die Bahn diesen “Trick” doch noch gelernt hat. Denn andere Bahnen wie die Schweizer Bahn machen das regelmäßig: Auf total ausgebuchten Strecken fahren einfach mehr Züge. Toll, dachte ich, geht doch.

Aber leider, leider wurde aus dem Zusatzzug der Ersatzzug. In Berlin Spandau hielt er erst gar nicht mehr und in Hannover weigerte sich der Zugführer weiterzufahren, bis nicht wieder ein paar hundert aus dem Zug ausgestiegen waren. Aus “Sicherheitsgründen”. Der Ersatzzug war zwar bis zu 200% überfüllt, kam dann aber doch mit fast 2 Stunden Verspätung in Köln an. Da wussten wir noch nicht, dass der Anschlusszug nach Aachen so voll war, dass wir erst gar nicht mehr hereinkamen. Glücklicherweise kam aber ein paar Minuten später ein weiterer, arg verspäteter Regionalzug an, so dass wir zumindest einen Sitzplatz auf der Hinfahrt hatte. Die Hinfahrt war damit halbwegs überstanden. Denn die Bahn konnte ja schließlich nichts dafür, dass in Aachen keine Busse mehr fuhren, aber das ist ein anderes Thema. Denn in all den Jahren, in denen ich auf der Welt bin, gab es das einfach nicht, dass die Busse nicht mehr fuhren. Hallo? Erster Winter in Deutschland?

Die Rückfahrt sollte schlimmer werden, viel schlimmer. Diesmal schafften wir es mit nur 5 Minuten Verspätung bis Köln. Der Schaffner machte uns lange Zähne als er meinte: Der Zug nach Berlin wird noch erreicht. Von der Durchsage wusste nur leider der Zug nach Berlin nichts und fuhr *pünktlich* (hört-hört) los. Nur leider eben ohne uns. Dann passierte es: Erst fiel der Zusatzzug aus, dann der reguläre Zug. Im Zug danach wurde uns dann unvermittelt eröffnet: Wir fahren nur bis Hamm, bitte steigen Sie in Hamm in den ICE von Düsseldorf nach Berlin um! Die Bahn hat es also geschafft, in einem Zug 4 voll besetzte Züge unterzubringen. Wenn das der Zugführer von der Hinfahrt gewusst hätte … Denn nun war es selbst in der 1. Klasse so voll, dass man eigentlich nur noch von einem Lebendfleischtransport sprechen konnte.

Also, wenn solche Zustände das Ergebnis eines Sparens für den Börsengang sind, wie man landauf-landab munkeln hört, dann bin ich ab heute maximal dagegen. Und dann scheint es auch zu stimmen, dass die Bahn 4 Hauptfeinde habe, nämlich Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

PS: Mit dem Fahrgastrechte-Fomular lässt sich dieses Chaos jedenfalls kaum abbilden.

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