Wie mir die deutsche Bahn zur deutschen Wired-Ausgabe verhalf

Vorab: Ich bin ein großer Freund der Deutschen Bahn, fahr lieber 2 Stunden länger Bahn als zu fliegen und nehme (fast) alles sehr gelassen hin, was mir im Alltag mit der Bahn so widerfährt, aber manchmal erleben selbst noch hartgesottene Bahn-Profis interessante neue Grenzerfahrungen.

Eigentlich ist das Wort Grenzerfahrung auch wirklich ein wenig übertrieben, aber ich staunte nicht schlecht als ich im 30 Minuten verspäteten ICE aus Stuttgart sitzend vernahm, dass der ICE heute Endstation in Frankfurt habe. Was würde wohl der Grund dafür sein, dass der Sprinter, der dieser ICE ab Frankfurt hätte werden sollen, heute ausfallen möge? Darauf gab es in der Durchsage der Bahn keine Antwort, allerdings wurde uns erklärt, wann der nächste, reguläre ICE nach Berlin fahren würde.

Wozu gibt es Bahn-Schaffner und eine Frage brachte Aufklärung: Der Sprinter fällt nicht aus, aber: “Sie haben ihn verpasst, weil der Sprinter ab Frankfurt als neuer Zug pünktlich losgefahren ist.” Das muss man erst einmal schaffen, einen Zug zu verpassen, in dem man sitzt! Über dieses philosophische Rätsel würde sich jedes Philosophieseminar wirklich freuen, der geneigte Bahnreisende indes war darüber nicht wirklich erfreut, zumal ich damit 2 Stunden später zu Hause war als geplant. Aber wie gesagt, ich fahre lieber Zug als zu fliegen.

Vielleicht werde ich ja doch auch konservativ und hätte vom Schaffner anstatt des lakonischen Hinweises auf die nächste Verbindung nach Berlin folgende Ansage erwartet: “Liebe Fahrgäste, auf Grund der aktuellen Verspätung unseres ICEs hat die Transportleitung entschieden, einen neuen Zug ab Frankfurt als Sprinter einzusetzen, den wir leider verpassen werden. Bitte haben Sie für diese Entscheidung Verständnis, da so viele Menschen rechtzeitig an ihr Ziel kommen werden. Sie haben nun die Möglichkeit, den Aufpreis für Ihren Sprinter mit einem Formular bei der Deutschen Bahn zurückzuerhalten.”. Aber vielleicht war das dem Zugchef so kurz vor Feierabend auch zu viel Text, auch irgendwie verständlich.

Den unverhofften Aufenthalt in Frankfurt habe ich dann allerdings genutzt, um die 2. Ausgabe der deutschen Wired zu kaufen und dann auf dem Bahnhof und im Zug von vorne bis hinten komplett durchzulesen. Ich habe hier durchaus einige Anregungen bekommen, bin aber letztlich von dem Heft enttäuscht. Zwar habe ich die amerikanische Wired auch 10 Jahre schon nicht mehr gelesen, habe aber den Eindruck, dass die Texte dort einfach länger, gehaltvoller und besser recherchiert sind. Letztlich ist die deutsche Ausgabe der Wired einfach nur ein Männermagazin für Technikgadgets und das ist mir viel zu wenig. Wo sind die philosophischen Hintergrundartikel, die Analysen zur Wirkung der Technik auf unsere Gesellschaft usw. Zwar ist die deutsche Ausgabe der Technology Review auch auf diesem Gebiet sehr schwach, dafür bietet sie aber hinsichtlich der technischen Entwicklungen gut recherchierte Hintergrundartikel. Die Wired ist so nur ein Lifestyle-Magazin, das in mir nicht die richtige Zielgruppe gefunden hat.

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