“indigene Kotze” in Berlin

Die Jungle World hatte es geprägt und sogar die WELT zitiert. Die Rede ist von der “indigenen Kotze” der Einheimischen, die man in Kreuzberg gewillt ist zu akzeptieren, aber die Kotze von den Touristenhorden, die fremde Kotze, nicht. Die Kritik an dieser – freilich überspitzten – Sichtweise teile ich durchaus.

Allerdings ist es schon etwas skuril, wenn man morgens um 7:30 Uhr, sozusagen auf dem Weg zur Arbeit, seltsame Geräusche vor seinem Fenster hört und mal lieber nachguckt, ob vielleicht jemand Hilfe benötigt und dann eine kotzende Touristin vor seinem Fenster erblickt, auf die ihre Begleiterin hysterisch lachend zeigt.  Und wenn man dann abends beim Spaziergang neben sich einen jungen Berlintouristen erblickt, der an die Ampel pinkelt, fragt man sich schon, was das soll. Beide Begebenheiten haben sich freilich nicht in Kreuzberg, sondern im Prenzlauer Berg an der Eberswalder Straße abgespielt, wo ja alles so verbürgerlicht geworden sein soll.

Ich liebe Berlin für seine Liberalität, finde Anwohner komisch, die sich über zu laute Traditionsclubs beschweren, Konzerte im Roten Salon juristisch bekämpfen und ich finde auch Autonome grotesk, die sich über Touristenhorden beschweren, aber hyterisch lallende Touristinnen und pinkelnde pseudobefreite Vorstadtjugendliche will ich eigentlich nicht sehen. Barcelona soll auch eine tolle Stadt sein. Und in Barcelona kann man den nightclubbegeisterten Partypeoplen auch ganz bequem den Weg zum unweit entfernten Ballermann weisen.

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