Das Ende ist (noch) nicht nah!

14 Jahre nachdem der Supercomputer Deep-Blue den damals amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparow im Schach schlug, hat nun wieder ein Supercomputer zugeschlagen und in Jeopardy die amtierenden amerikanischen “Jeopardy-Champions” recht deutlich geschlagen. Dieser letzte Sieg der Maschinen wird umso höher bewertet, als dass Schach ein Spiel mit festen Regeln ist, aber zum Verständnis der Fragen von Jeopardy “Intelligenz” notwendig sei.

Die Entwicklung von “Watson”, so der Name der neuen Supermaschine, ist sicherlich großartig und die Programmierung eines maschinellen Textverständnisses ist eine beeindruckende sprachtechnologische Leistung. Dennoch kann ich Entwarnung geben, die Herrschaft der Computer wird nicht in der Art und Weise eintreten, dass Computer klüger als der Mensch werden und sich gegen die Menschheit erheben werden, wie es schon oft in diversen Filmen wie etwa in Matrix oder in I, Robot beschrieben wurde. Denn für die Entstehung von Bewusstsein bedarf es eines inneren Antriebes, eines Lebenswillens, eines Sich-selbst-bewegen-Wollens, das man in Maschinen auch nicht hineinprogrammieren kann.

Überhaupt war der Wettbewerb auch hochgradig ungerecht. Während Watson mal eben schnell in die Wikipedia luken durfte, mussten die Jeopardy-Champions ohne Hilfsmittel arbeiten. Ich trete gegen jeden Supercomputer der Welt an, wenn ich auch das Internet nutzen darf, um meine Jeopardy-Fragen beantworten zu dürfen. Häufig, und das schmälert durchaus nicht die sprachtechnologischen Komponenten, ist es sogar so, dass man die Jeopardy-Fragen nur in Google einzugeben braucht und recht schnell eine passende Antwort auf diese Weise zusammensuchen kann. Es mag sein, dass Watson mit seinem maschinellen Textverständnis auf Dauer auch schneller als ein Mensch sein wird, aber ihn schlagen, wird er ihn so schnell nicht und vor allem nie den eigenen Antrieb entwickeln, selbst Prgramme zu schreiben.

Die Herrschaft des Computers ist auch nicht etwas, was in ferner Zukunft vielleicht einmal eintreten wird, sondern die Herrschaft des Computers hat bereits begonnen. Schauen Sie sich doch einmal um, wieviele Menschen ihre tägliche Arbeit heutzutage mit dem Computer erledigen. Können Sie sich noch einen Schreibtisch in einem Büro vorstellen, auf dem kein Computer steht? Können Sie sich noch ein Leben ohne Mobiltelefon vorstellen, das ihnen Kommunikation ermöglicht und immer mehr auch den Weg weist? Wie haben sie nur vor der Ära des vernetzten Computers ihre Bahnfahrten organisiert? Erinnern Sie sich noch daran, wie sie die Farhplanauskunft der Deutschen Bahn per Telefon angerufen haben, um zu erfahren, wann der nächste Zug fährt?

Diese Art von Computerbenutzung, die uns das tägliche Arbeiten erleichtert, ist es, die unser Leben viel nachhaltiger beeinflusst hat, als wir denken. Der Computer und das Internet haben eine irreale Second-World geschaffen, die unsere Kategorien und unser Denken ändert. Das muss nicht schlecht sein, aber diesen Wandel zu verstehen, ist wichtig, wenn wir unsere kognitive Freiheit behalten wollen, uns dafür oder dagegen zu entscheiden. Dasher ist es eine vorrangige kulturwissenschaftliche Aufgabe, ein Desiderat, wie der Wissenschaftler sagen würde, diesen kulturellen Wandel zu beschreiben. Ansätze zu einer solchen Analyse, wie wir sie z.B in den Büchern Frank Schirrmachers oder Jaron Laniers finden, sind vorhanden, aber leider in einem aufgeregten, alarmistischen Ton verfasst, der dem Thema schadet.

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